Warum kein Mensch je komplett ist

Ich bin mit all meinen Eizellen auf die Welt gekommen. Die zweiten Zähne haben in mir geschlafen, die meisten, um zwanzig oder dreißig Jahre später entfernt zu werden. Meine Eizellen kullern aus mir heraus. Wenn ich google, finde ich heraus, dass ich nicht komplett bin, da ich in einem Mutterbauch zu zweit geschlafen habe. Wie jeder von uns, dem sich nachts Kälte zwischen die Zehen drängt und ein nicht herzsynchrones Zittern ins Rippengehäuse. Wir waren alle Zwillinge, irgendwann einmal, sagt das Internet.

Mir ist jedes fehlende Fingerglied, das ich je gesehen habe, in Erinnerung geblieben. Jedes neue fehlende Fingerglied, das ich an einer Hand bemerke, erinnert mich an die vorangegangenen. Ich habe noch niemanden mit überzähligen Fingergliedern bemerkt. Vielleicht gibt es keine Obergrenze. Die Menschen dehnen sich aus: plötzlich haben sie mehr Taschen, einen Rucksack voller gestohlener Nasen und eine Schulklasse in Zweierreihe hinter sich, die zu ihnen gehört wie mein Zahnschmelz zu mir.

Menschen wachsen wie Gesamtausgaben, lange bevor sie herausgegeben werden. Später findet man noch einen verschollen geglaubten Briefverkehr: er wird minimalinvasiv herausoperiert. Wenn man lange nebeneinander liegt, wächst man zusammen, sofern man keinen Kanal gebaut hat. Man hört nie von diesen Fällen, denn auch die Zusammengewachsenen empfinden sich nicht als komplett: Während der eine nach seiner Brille greift, geht ein Ruck durch den anderen und der Spazierstock fällt aus dem Bett.

Menschen sind auch deshalb niemals komplett, weil es zweimal die gesamte Lebensdauer benötigen würde, um jeden Kubikzentimeter seines Körpers zu entdecken. Dabei geht es gar nicht um den Rücken. Menschen leben achtzig Jahre, ohne all ihre Lymphknoten verorten zu können. Viele haben noch keinen Sonnenhund gesehen. Sie sind erstaunt, wenn man ihnen welche zeigt. Man kann sich selbst monatelang in Aufregung versetzen, in dem man seinen Körper genau unter die Lupe nimmt. Alle Muttermale dieser Welt sind merkwürdig, wenn man nur lange genug hinsieht. Auf all unseren Wangen wächst Haar. Unsere Haut ist ein Gehsteig, den die Wurzeln immer größer werdender Bäume aufbrechen, daneben stehen Mopeds, abgedeckt in Regenplanen: wer sagt, dass dies kein Talgknödel ist; wer weiß, ob das nicht ein überzähliger Knochen ist, der so hell ist, dass man erschrickt, wenn er durch die Haut schimmert.

Niemand ist je komplett: Während vorne die Briefmarken sortiert werden, fallen hinten die Haare aus. Während jemand mit seiner rechten Hand an der linken die Fingernägel schneidet, passt er einen Moment nicht auf, dehnt seine hohle Handfläche zu weit auf und ein kleiner Zwilling fällt heraus, rollt unter das Regal und ist auch mit eindringlichem Flehen nicht mehr darunter hervorzuholen.

Advertisements

Warum Schornsteinfegern soviel Wohlwollen entgegengebracht wird

Schornsteinfegern wird immer sehr gerne Wohlwollen entgegengebracht, da sie die Menschen an ihre Kindheit erinnern. Die Kindheit besteht aus rosa Pappmachéköpfen auf schwarzen Kegeln, mit schwarzem Zylinder auf dem Kopf und geringeltem Draht mit Bürste und Mundstück in der Hand, dazu ein kopfgroßes Kleeblatt in der zweiten und ein halbkopfgroßer Fliegenpilz in der dritten Schornsteinfegerhand. Manchmal steht er auf einem goldenen Hufeisen, das manchmal aus Schokolade besteht und manchmal aus eingewickeltem Karton. Manchmal hat er eine Leiter auf den Rücken geschnallt.

Die kleinen Schornsteinfeger stehen in der Kindheit um das Bett herum und markieren Feiertage. Wo Schornsteinfeger sind, sind Supermarktkassen. Schornsteinfeger weisen auf die Sternschnuppennächte der Jahreszeiten hin, in denen der Himmel bewölkt bleibt. Schornsteinfeger halten den Pfeifenputzersamt in Schach und wischen nachts den Staub von glänzenden Marzipanschweinrücken. Kindheitserinnerungen bestehen daraus, sich kleine Schornsteinfeger in die Nase zu stecken, um zu sehen, ob es geht. Manchmal bleibt dabei der Hut in der Nase stecken und der Schornsteinfeger fällt ab, das Innere des Hutes aber ist hohl und kann wie der Naseninnenraum, der jetzt vom Hut ersetzt wird, bebohrt werden. Dabei kann der Fingernagel über die trockenen Klebstoffreste, mit denen der Schornsteinfegerhut an den Schornsteinfegerkopf befestigt war (aber nicht allzu gut), kratzen, so als ob es sich um echte Nasenrammel handeln würde.

Schornsteinfeger im Erwachsenenalter und in angemessener Größe tragen keine Pilze und Kleeblätter mit sich, auch der Hut ist nicht zylindrig. Dennoch sind sie für die Erwachsenen noch die Schornsteinfeger von damals, denn sie tragen ihren Schornsteinfegedraht, mit einem Puschel an dem einen und einem Mundstück an dem anderen. Jeder Erwachsene träumt davon, der Schornsteinfeger würde zu ihm nach Hause kommen, das Kamintürl öffnen und den Draht einführen. Der Schornsteinfeger würde seinen roten Filzstiftmund an das Mundstück des Drahtes legen und frrrrt, frrrrrt machen, das kleine Bürstchen am Ende würde sich im Kamin zu drehen beginnen und all die alte Asche würde durch das offene Kamintürl dem Schornsteinfeger auf sein Pappmachégesicht stauben und er müsste so herzlich lachen, dass er sich den Bauch halten und vornüber kippen würde und sich mit der auf den Rücken geschnallten Leiter an der Bodenleiste verhaken würde. Man müsste ihn dann sanft an den Klebestellen auseinandertrennen, befreien und wieder zusammenkleben.

Die meisten Erwachsenen allerdings haben keinen aktiven Kamin mehr und treffen Schornsteinfeger nur noch in den Straßen. Manchmal ist weit und breit kein Schornsteinfeger zu sehen, aber sein Schornsteinfegerpustedrahtgeringel lehnt vor einem Café an der Hausmauer. Dann schläft woanders ein Kind unter einer unzureichenden Sammlung von alten Schornsteinfegern, deren Kleeblätter sich langsam wie ein Milchzahn vom Gewebe lösen und im Luftzug baumeln; der gesuchte Schornsteinfeger wurde dorthin geschickt und vergaß dabei auf seinen Draht.

Warum Menschen gerne Dinge fallen lassen

Wir leben mit der Gravitation. Wir leben zwischen zwei Schichten, von denen uns eine glücklicherweise sehr nahe ist, denn meistens stehen wir darauf – die andere Schicht ist weit weg, wir erkennen nur Wolken und Flugzeuge. Verliert man während einem Spaziergang seinen Ballon und ist dieser mit Helium gefüllt, so fliegt er bald so weit in die Höhe, dass man ihn nicht mehr erkennen kann. Er könnte überall sein: er ist eine Sternschnuppe in einem Nachthimmel, in den man zu lange und unter Blinzeln geschaut hat und zwischen den Wimpern Sternschnuppen verliert, die es nie jemals gegeben hat. Wenn etwas nach unten fällt, kann man es meist besser erkennen.

Wenn sie nicht gerade gestolpert waren, haben Menschen die Gravitation schon immer sehr gerne gemocht. Man beginnt schon im Säuglingsalter damit, Dinge fallen zu lassen. Sie fallen runter. Das ist toll. Manche Dinge bleiben ganz und kullern, andere Dinge zerbrechen. Wenn Menschen groß sind, setzen sie manchmal Wassermelonen Fahrradhelme auf und lassen sie von Hochhäusern fallen. Hochhäuser sind ohnehin zumeist von fallen gelassenen Gegenständen umrandet. Zu groß die Versuchung, Apfelbutzen, Puppentassen, abgebrannten Sternspritzern und Brachiosauren, die ein Luftloch in ihrem Maul haben und „k-chü k-chü“ beim Drücken machen, beim Fallen zuzusehen. Fensterbretter wurden an Hochhäusern installiert, um darauf Warteschlangen von Gegenständen, die bald herunterfallen würden, bilden zu können.

In die andere Richtung ist es mühsamer, Dinge fallen zu lassen, aber auch das wurde seit Menschengedenken kräftig ausprobiert. Papierflugzeuge und Flugzeuge selbst sind zu diesem Zweck erfunden worden.

Das 18. Jahrhundert schließlich war die Blütezeit des Fallenlassens in beide Richtungen und auch diagonal. Besonders Jean-Pierre Blanchard fuhr gerne mit dem Ballon in die eine Richtung, um dann von oben Tiere in die andere Richtung fallen zu lassen. In Basel ließ er seinen Hund fallen, in Hamburg ein Schaf, das vielleicht niemandem gehört hatte, und in Wien ließ er Kaninchen in Körben und Kormorane aus seinem Ballon fallen. Jedem hatte er einen kleinen Fallschirm gebastelt und alle landeten, ohne es zu merken. Seinem Publikum wurde das mit der Zeit zu langweilig, deswegen musste er sich selbst ebenfalls hinabstürzen, um noch etwas Aufmerksamkeit zu generieren. Er hatte auch einen Fallschirm.

Auch Frauen durften sich aus Ballons hinabfallen lassen, aber nur verehelichte.

In der Moderne schließlich wurde es eine eher unauffällige Privatangelegenheit, Dinge in eine der beiden Richtungen fallen zu lassen. Das Sujet des Hinab- und Hinauffallens hat sich in den Alltag geschlichen und wird nicht mehr als solches wahrgenommen. Teller etwa gehen oft nur unter einem kurzen Ausruf kaputt, Beobachter empfinden allerdings in ihrem Inneren beim scheppernden Aufprall eines Tellers am Boden mehr als nur das bekundete kleine Bedauern des Bruchs. In Wahrheit stehen sie während jedem herabstürzenden Teller an der Kante eines Hochhausdaches und werfen Marmeladegläser, die unten in Zeitlupe zerbersten und einen Marmeladenhubschrauberlandeplatz hinterlassen. Schnurrbärtige Menschen kauften sich ferngesteuerte Flugzeuge und insgeheim warteten sie während jedes Ausflugs nur darauf, das Flugzeug herabfallen zu sehen. Andere wiederum haben das Tontaubenschießen erfunden oder sich der Faszination der fliegenden Palatschinke angenommen, die ja auch mit wenig Aufwand und Umsicht pfannennah gewendet werden könnte.

Die Erde wird seit Jahren von der International Space Station umkreist. Hinter der Space Station leuchten unbemannte Projekte ein bisschen den dunklen Rest der Welt aus und manchmal leuchten Schatten zurück von Menschen, die bis zum Mond gekommen sind. Die ISS ist am momentan menschenmöglichst entferntesten Ort von Personen, die nach acht aufgekratzten Rubbellosfeldern noch immer hoffen, das neunte würde ihnen einen großen Gewinn bringen und Personen, die entnervt aufseufzen, weil das aufgedruckte Datum auf ihrem Joghurt das von gestern ist. Trotzdem handelt fast jedes Video, das je in der ISS aufgenommen wurde, von Orangen, Kugelschreibern und Tortillawraps, die für immer nicht herunterfallen.

Wie man seine Frau verliert

Ludwig Löffler, der gern seine Initialen auf Taschentücher sticken ließ, war ein Uhrmachermeister in der Inneren Stadt. Löffler saß stundenlang, auch nach Ende der Geschäftszeit, über seinen Uhren und vergaß alles andere. Oft lief im Hause Löffler die Milch über und Straßenkatzen machten sich über das Unglück her, denn Herr Löffler vergaß stets Herd, Türen und den Hochzeitstag mit seiner Frau, Elisabeth Löffler, die zwar daran dachte, aber die Milch ebenfalls vergessen hatte, denn sie musste im Hinterzimmer die Buchhaltung führen, für die sich ihr Mann zu beschäftigt hielt.

So auch an diesem einen Abend, als Elisabeth Löffler gerade rechtzeitig zum Herd kam, bevor die Kartoffeln anbrannten und die Gelegenheit nutzte, um ihren Mann dezent darauf hinzuweisen, dass demnächst der Hochzeitstag wieder ins Haus stünde, und zwar nicht nur irgendeiner, sondern der erste zehnte Hochzeitstag miteinander und sie sich vielleicht doch eine Kleinigkeit erwarten würde, sie hatte da etwas in einem Schaufenster gesehen usw. Herr Löffler schraubte unter seinen Lupenaugen weiter und hörte eigentlich gar nicht zu, außerdem war da ein seltsames Scharren im Raum, das vielleicht von den Katzen, vielleicht aber auch vom kleinen Fritzi stammen konnte, der sich gern in die großen Standuhren zurückzog und darin Raketenmann spielte.

Nachts, als er im Bett lag und sein Gehirn weiter Uhren auseinander- und zusammenbaute, da flüsterte aber doch etwas in seinem Hinterkopf vom Hochzeitstag, nur schlief er alsbald ein und vergaß. Bis zum Abend vor dem Hochzeitstage, da krähte nämlich Fritzi aus dem Uhrkasten „Lochscheitsta“ und erinnerte Herrn Löffler kurz sowohl an die Existenz seines Sohnes als auch an das bevorstehende Jubiläum. Er sah sich um und überlegte, ob er es wagen wolle, seiner Elisabeth auch in diesem Jahr eine Uhr zu schenken. Vielleicht solle es aber doch etwas Spezielleres sein, aber was sollte er tun, die Geschäfte hatten bereits geschlossen und am nächsten Morgen erwartete seine Elisabeth bereits eine kleine Aufmerksamkeit.

Sein Blick fiel auf Fritzi, der aus dem Uhrkasten hervorgekrochen war und sich jetzt am Boden herumliegende Sächelchen in die Nase zu stecken versuchte. „Gib“, sagte Löffler zu seinem Sohn und nahm ihm eine kleine, runde Perle aus der staubigen Kinderhand.

Ludwig Löffler arbeitete bis spät in die Nacht, aber am nächsten Morgen konnte er seiner Elisabeth ein kleines Schächtelchen überreichen. „Nun“, dachte Elisabeth bei sich, „es ist zwar nicht der Stoff, von dem ich ihm erzählt habe, der in dem Geschäft am Graben aushängt und so glänzt, aber vielleicht ist es zumindest ein kleines Ringelchen.“

Als sie aber die Schachtel öffnete, da starrte sie kurz mit leeren Augen auf den Inhalt und fragte dann ihren Ludwig: „Warum hat der Kirschkern denn ein Schloß? Bist du jetzt ganz plemplem geworden?“

„Mach auf! Mach auf!“, drängte sie Ludwig Löffler.

Tatsächlich sah Elisabeth Löffler neben dem Kirschkern, an dessen Hinterkopf noch ein Stück vertrocknetes Kirschfleisch hing, ein kleines goldenes Schlüsselchen liegen. Sie versuchte es aufzunehmen, doch es verhakte sich unter dem Fingernagel ihres Zeigefingers und als sie es endlich in ihre Handfläche geschüttelt hatte, reichte sie die Schachtel und den Schlüssel nur kopfschüttelnd ihrem Mann. „Das ist mir zu blöd.“

Ludwig Löffler nahm mit seinen Uhrmacherfingerspitzen den Schlüssel auf, steckte ihn ins Schloss des Kirschkernes und sperrte auf. „Schau, Lisi“, sagte er. „Schau einmal.“

Elisabeth Löffler schaute. Im Kirschkern lagen, auf einem winzigen roten Kissen, verschiedene winzige goldene Sachen. Es sah aus wie Uhrmacherkehrricht, die Sorte von Uhrmacherkehrricht, die sie mehrmals täglich rund um den Arbeitstisch ihres Mannes aufkehren musste, damit Fritzi nicht versehentlich etwas davon verschluckte.

Ludwig Löffler reichte ihr seine Lupe. „Schau genau hin“, sagte er. Da sah Elisabeth Löffler, dass in dem Kirschkern ein Nähset, bestehend aus einer Schere, einer Nadelbüchse mit drei Nähnadeln, einem Trennmesser, einem Stickstecher, einem Zwirnwickel und einem Fingerhut, lag.

„Moh“, sagte Elisabeth Löffler. „Das ist schon sehr fein gemacht. Vor allem der Fingerhut. An Fingerhüten, die so klein sind, dass sie auf keinen Finger mehr passen, daran erkennt man die Welt.“

„Gell“, sagte Ludwig Löffler. „Der Fingerhut und die Nadeln, das war das aufwändigste, drei Fingerhüte hab ich in der letz… letzten Zeit verloren, weil sie so klein waren.“

„Du solltest vielleicht den Schlüssel noch daran befestigen, vielleicht mit einer winzigen Kette“, meinte da Elisabeth Löffler sehr verständig. „Denn du kennst ja den Fritzi.“ Sie deutete auf die zwei Uhrkästen, die in der Nähe waren.

Also befestigte Ludwig Löffler den Schlüssel noch mit einer feinen Venetianerkette am Kirschkern.

Elisabeth Löffler fühlte sich durch dieses merkwürdige Geschenk dann aber doch geschmeichelt – welche ihrer Freundinnen konnte es denn mit so einem Hochzeitstagsgeschenk aufnehmen – und erzählte es den ganzen Tag über jedem Kunden, der durch die Türe kam. So sprach sich die Kirschkernarbeit von Ludwig Löffler schließlich so sehr in der Stadt herum, dass man selbst am kaiserlichen Hofe davon erfuhr und Gesandte schickte, die sich das ganze aus nächster Nähe ansehen sollten.

Ludwig Löffler aber war durch ebendiese Aufmerksamkeit so geschmeichelt, dass er, während er an einem Marillenkern bastelte, in Tagträume versank und von einer Anstellung am Hofe träumte. So sehr steigerte er sich in diese Vorstellung hinein, dass er schließlich fiebrig nach dem Kirschkern – der ja noch im Geschäft lag, weil er eifrig herumgezeigt wurde – griff und den Namen seiner Frau, der am Barte des kleinen Schlüsselchen eingraviert war, wieder auslöschte und stattdessen den Namen der kaiserlichen Majestät Karolina hineinbrach. Dann schickte er einen Boten an den Hof mit der Mitteilung, dass er dieses Kleinod sehr gerne der Majestät verehren wollen würde.

Der Kirschkern wurde noch am Abend, noch als der Hochzeitstag nicht abgelaufen war, von kaiserlichen Boten hinausgebracht und als ihn Elisabeth Löffler vorm Zubettegehen verzweifelt suchte, da deutete Ludwig Löffler stumm auf einen Uhrkasten.

Fritzi aber lag bereits im Bett, als Elisabeth Löffler aufgewühlt in die Stube kam und ihm Milch und Brot ins Gesicht zwängte. Fritzi war sehr glücklich darüber, denn man hatte tagsüber vergessen, ihm etwas zum Essen zu geben und er hatte nur an einem Hühnerknochen genagt, den ihm die Straßenkatzen vorbeigebracht hatten. Elisabeth Löffler sagte schließlich Gute Nacht zu ihrem Sohn, diesmal allerdings mit dem Zusatz, er solle sie am Morgen auf jeden Fall rufen, wenn er auf dem Topf säße.

Am nächsten Morgen dann wühlte sich Elisabeth Löffler wagemutig durch Fritzis Producte, allerdings konnte sie den Kirschkern nicht wiederfinden. Später hörte sie dann aber von Kunden, dass die Kaiserin sehr verzückt über das Kirschkernkleinod gewesen wäre und als sie zu ihrem Mann sah, da saß dieser nur rot angelaufen hinter seinen Lupen.

Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/BLKÖ:Löffler,_der_Uhrmacher

Wofür Wachsblumen gut sind

Wenn man 1869 von Süden her auf Wien zu fuhr, so konnte man schon von fern die großen Hallen der Blumenfabriken erkennen. Meist waren es mehrstöckige Backsteinbauten, gefüllt mit Tausenden von jungen Mädchen, die, während sie darauf warteten, geheiratet zu werden oder endlich doch ein Gesangstalent zu entwickeln, – denn anders konnte man nicht im Kaiserlichen Biografischen Lexikon verzeichnet werden, wenn man nicht gerade von adeliger Herkunft war – , Tag für Tag Efeurankendrähte ineinander woben und kleine Blütenblätter schnitzten.

Fuhr man an einem Februartage, als nur noch Pepi, der Wahnsinnige von Hundsturm, seine Pirouetten auf dem schmelzenden Eise des Wienflusses drehte, entlang des Wienflusses auf die Stadtmauern zu, so fuhr man, ohne es zu merken, an dem kleinen Atelier der Therese Stummer vorbei.

Auch Therese Stummer hatte ihre Mädchenjahre in einer Blumenfabrik verbracht und dort so viele silberne Efeublätter ausgeschnitten, dass ihre Fingerkuppen ganz wund geworden waren und sie allabendlich ihre Privatsächelchen nur noch mit Fingern, die sie mit weichem Kerzenwachs beschichtet hatte, anzugreifen wagte. Dieser Umstand hatte sie oft an ihre früheste Kindheit erinnert, als sie nach dem Abendbrot noch der Großmutter im fahlen Licht der Küchenkerze Gesellschaft leistete, ihren Geschichten zuhörte, aber gleichzeitig in einer wohligen Langeweile mit dem abgeflossenem Kerzenwachs spielte. Sie formte allerlei Getier und Landschaften daraus, allerdings wurden diese kleinen Kunstwerke allmorgendlich von der Großmutter eingesammelt und für neue Kerzen aufgespart.

Nun aber war kein Mangel mehr an Kerzenwachs und sie konnte nach Belieben darüber verfügen, also begann sie nach Feierabend, die tagsüber in der Blumenfabrik zusammengestellten Blumenbouquets aus dem Gedächtnis mit Kerzenwachs nachzuformen. Ihre Blumen waren derart anmutig und naturgetreu, dass sie bald ihr Engagement in der Blumenfabrik aufgeben und einen eigenen kleinen Laden für Wachsblumen eröffnen konnte.

Wenn man nun nicht mit Tempo auf die Stadt zu fuhr, sondern gemächlich am Wienfluss entlang schlenderte, so konnte man das kleine Wachsblumenatelier der Therese Stummer doch entdecken und verwundert vor ihrem Schaufenster stehen bleiben, denn nach diesem außergewöhnlich eisigem Winter schien es sehr absonderlich, wie von innen so freudig die Blumen dem grauen Himmel entgegenlachen konnten. So war es auch mit Dr. Karl Spurzheim geschehen, der in der Position als Direktor der Landesirrenanstalt im letzten Jahre gehäuft Beschwerden über seine Patienten erhalten hatte, die sich an den Pflanzen im Garten der Anstalt, aber auch an den Blumenrabatten der Anrainer vergangen hatten. Er konnte sich noch gut an eine Beschwerde erinnern, die Cölestin, den ehemaligen Jesuiten betroffen hatte, der, wie Frau Csendes in ihrem Beschwerdebrief schrieb, sich durch ihre Tagetes „wie ein Frischling, der am Kirtag in den Traubenbottich gefallen war“ gewühlt hatte.

Nun sah Dr. Spurzheim diese Wachsblumen vor sich und dachte, dass diese doch wohl erstens mehr Patienteninteraktionen aushalten mussten und vielleicht auch nicht so köstlich schmeckten wie die Tagetes der Frau Csendes. Kurz, er glaubte in der Wachsblumenkunst von Therese Stummer die Lösung für das lästige Beschwerdeproblem erkannt zu haben. Er betrat also schnurstracks den kleinen Laden und erteilte ihr einen Großauftrag für Wachsblumen, die im Hofe der Irrenanstalt, aber auch in den angrenzenden Grundstücken gepflanzt werden sollten, natürlich auf Kosten der Anstalt. Die Reputation der Anstalt war ihm nämlich das Wichtigste, wie er auch in der Standpauke, die er dem schuldbewusst dreinschauenden, zerknirschten Cölestin letztes Jahr gehalten hatte, ausdrücklich betont hatte.

Fuhr man also an diesem Februartage an dem unbemerkt bleibenden kleinen Wachsblumenatelier der Therese Stummer vorbei, so konnte man nicht ahnen, dass darin Therese eifrig über ihren Wachsblumen saß, denn bis zum Frühlingsbeginn sollten sie wohl fertig sein und mit dem gezahlten Gelde konnte sie endlich reisen und hervorragende Materialien besorgen, die sie, wie sie während ihres Handwerks träumte, dann zu strahlenden, überirdischen Blumenbouquets für die kommende Weltausstellung verarbeiten konnte.

Tatsächlich war Therese Stummer mit allen angeforderten Blumenrabatten bis zum Frühlingsbeginn fertiggeworden und man brauchte insgesamt fünf Fuhrwerke um die gesamten Blumen zur Irrenanstalt zu fahren. Herr Dr. Spurzheim schüttelte ihr begeistert die Hand und schickte sie, um die Zahlung in Empfang zu nehmen, zu seiner Sekretärin.

Von drinnen, aus dem kleinen Fenstern der Irrenanstalt aber lugten verstohlen einige Patientinnen und Patienten hinaus, nicht wenige wunderten sich, wie schnell der Frühling über ihre Welt gekommen war. Cölestin war recht unberührt davon, denn er wusste, dass das Werk Gottes so unergründlich wie die Mittagsmahlzeit der Anstalt war.

Manches Mal war es den PatientInnen erlaubt, kleine Spaziergänge im Hofe, aber auch um die Anstalt herum zu unternehmen. Natürlich hatten sie nach den Vorfällen des letzten Jahres unter besonderer Beobachtung gestanden, als man aber merkte, dass die Wachsblumen wirklich ihren Zweck erfüllten und anscheinend nicht mehr große Reize auf die PatientInnen ausübten, so ließ man sie manchmal während der Mußestunden etwas aus den Augen.

So ging der Frühling und der Sommer begann und wie es in Wien üblich war, so folgten auf besonders eisige Winter immer besonders drückend heiße Sommerwochen, in denen sich die Patienten zumeist nur ganz lethargisch in ihren Betten aufhielten und das ganze Anstaltsgebäude tagsüber in einen dumpfen Schlummer versank.

Unterbrochen wurde dieser Schlummer eines Tages zur Mittagszeit aber von Cölestin, der zwar mit schwarzen Haaren aus der Tür gegangen war, nun aber mit schlohweißem Haupt zurückkam und kreischte: „Die Apokalypse, die Apokalypse!“ Er rannte drei Runden im Anstaltsgebäude und bevor jemand vom Personal ihn zu fassen bekam, sperrte er sich in der Besenkammer ein.

Man hörte ihn weinen und wimmern; am Abend, als man verzweifelt versuchte, ihn zum Abendbrot herauszulocken, ging er über, das Vaterunser immerwährend vor sich hinzurufen und erst spät in der Nacht gelang es einer geschickten jungen Schwester die Tür der Besenkammer von außen zu öffnen.

Da war der arme Cölestin schon sehr ermattet, aber als er die Schwester erblickte, flüsterte er: „Die Apokalypse.“ Man nahm ihn in den Arm und flößte ihm Kamillentee ein, worauf er fortfuhr zu flüstern: „Wir sind in Ungnade gefallen, jetzt werden wir alle von Ihm geschmolzen“ und wie als Beweis krempelte er sich den Ärmel seines Kleides hoch, streckte den Arm aus und sagte zur Schwester: „Da greif an, es ist schon ganz warm und weich.“

Aber bereits am nächsten Tage klärte sich diese unangenehme Sache vollends auf und man rief nach Frau Stummer und bat sie, ein Ansichtsexemplar ihrer Kunst für den armen Cölestin mitzunehmen. So kam es, dass an diesem Nachmittag Cölestin auf wackeligen Knien und mit abwehrenden Handbewegungen der Frau Therese Stummer folgend nach draußen eskortiert wurde, wo sie sich mit ihm auf ein Bänkchen setzte und ihm das kleine Wachsveilchen, das sie in Händen hielt, erklärte und dann mit ihm gemeinsam wartete, bis das Veilchen von seinen Stängeldrähten tropfte.

Cölestin war von diesem Tage an ein treuer Anhänger der Wachsblumenkunst der Therese Stummer, denn sie hatte nicht nur die Apokalypse abgewendet, sondern überließ ihm auch des öfteren die anfallenden Wachsreste, die er zu kleinen Kruzifixen verarbeite, welche er an einer Girlande über seinem Bett aufhängte und fortan als verlässliche Wetterstation betrachtete.

Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/BLKÖ:Stummer,_Therese

Wie man früher in Wien die Jugend beschäftigte

Im Tiefen Graben in Wien hatte der Kupferstecher Franz Aßner seinen Laden. Es schnatterte und tobte sehr vor dem Laden und auch darin, denn die Druckerpresse war rund um die Uhr in Betrieb und außerdem war alles voller Kinder. Franz Aßner war nicht irgendein Kupferstecher, er verkaufte Bilderbücher für fleißige Kinder mit Kupferstichen zum Nachziehen und Illuminieren. Wann immer ein Kind in der Inneren Stadt von seinen Eltern einen halben Gulden zugesteckt bekam, so brachte das Kind es zu dieser Zeit nicht etwa zum Bäcker oder zum Zuckergießer, sondern direkt zu Herrn Aßner, dem Kupferstecher.

Diese Bilderbücher zeigten Szenen aus der Bibel, aus der Geschichte und dem täglichen Weltgeschehen in Wien. Die Kinder konnten so Leprakranke, die gerade von Jesus geheilt wurden oder kleine Türkenknaben, die vom Bürgermeister für ein Kipfel adoptiert worden waren, nachziehen und illuminieren. Es gab Bilder von wackeren Männern, die aus Versehen vom Südturm des Stephansdome stürzten und Reitertruppen, die über das Glacis auf das Burgtor zuritten. Es gab Szenen aus dem Leben in den Wiener Vorstädten wie etwa die Geschichte vom Herrn Zapfnig, der Winzer in Sievering war und sich eines Tages aus Versehen selber in der Weinpresse auspresste. Man konnte sein Gesicht und seine Arme ganz nach Belieben illuminieren, die meisten Kinder aber illuminierten den Saft, der aus der Weinpresse floß, leuchtend rot, denn wenn sie an Wein dachten, so dachten sie an Rot. Dann wiederum gab es Bilder von unzüchtigen Galanteristen, die einer Dame in einer Kutsche nachzustellen versuchten, dabei allerdings vom Pferde mit dem Hufe im Antlitz getroffen wurden.

Das Bemerkenswerteste aber war, dass der Galanterist das Gesicht des Herrn Aßner trug, die Dame in der Kutsche, die erschrocken beim Vorhang herauslugte, das Gesicht der Frau Aßner, die mit Vornamen Susanne hieß. Das Pferd wiederum trug das Gesicht von Herrn Aßner. Auch das Gesicht von Herrn Zapfnig (er hieß Ludwig) war eigentlich das Gesicht des Herrn Aßner. Und auch der kleine Türkenknabe, der im Wohnzimmer des Bürgermeisters recht schüchtern neben einer Vitrine voller ausgetrockneter Kipfel saß, trug das Gesicht von Herrn Aßner und bei ihm nahm sich auch die Frisur außergewöhnlich aus, denn Herr Aßner trug nur noch den schütteren Haarkranz älterer Kupferstecher. Die Leprakranken sahen ebenfalls Herrn Aßner zum Verwechseln ähnlich und Jesus trug zwar einen Vollbart, dennoch hatte er Augen und Haarkranz von Herrn Aßner. Im Krug, aus dem das Wasser kam, mit dem Jesus die Leprakranken heilte, erkannte man aber das Profil von Frau Aßner.

So kam es, dass Herrn Aßners Gesicht das bekannteste Gesicht in der Stadt war und die Kinder, wenn ihnen Geschichten aus der Bibel vorgelesen wurden, ständig nur seine Augen, seine fleischigen Ohren, seine Denkfalte, seinen Haarkranz und seine knollige Nase vor Augen hatten. Wenn sie nun allerdings ihr altes Bilderbuch vollständig nachgezogen und illuminiert hatten und für den Erwerb eines neuen Bildbands zum Laden im Tiefen Graben kamen, so erschraken sie jedesmal ein bisschen, denn für einen Augenblick glaubten sie im Kupferstecher Aßner, der gerade über die Druckerpresse gebeugt war, Jesus oder Napoleon zu erkennen oder gar den unglücklichen Winzer Zapfnig, der sich nun erneut als Wiederauferstandener und für ewig Verdammter selbst in seiner Weinpresse bis zum letzten Tropfen auspressen musste.

Quelle: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Franz_Assner

Warum Milchtanklaster die Gespenster der Stadt sind

In der Nacht fahren weniger Kraftfahrzeuge durch die Straßen der Stadt, sie fallen aber mehr auf. In ihnen sitzen keine Menschen mehr, denn die Menschen schlafen in den dunklen Fenstern der Häuser. Auf jedes erleuchtete Fenster kommen vierundzwanzig dunkle Fenster und hinter den erleuchteten Fenstern schlafen die Menschen oft und wenn sie wach sind, denken sie nicht an den Straßenverkehr. Trotzdem fahren Milchtanklaster durch die Stadt. LKW-Köpfe mit silbernen, langen Körpern, die in gleichmäßiger Geschwindigkeit die Hauptverkehrsadern der Stadt durchziehen. Auf jeden durchfahrenden, silbernen Milchlaster kommen fünftausenddreihunderteinundvierzig schlafende Menschen, die meisten hinter dunklen Fenstern. Die Milchtanks blinken im Licht der Straßenlaternen und transportieren Tausende Liter von Milch durch die Stadt. Wenn sie vor einer roten Ampel, von denen es nachts weniger gibt als tagsüber, bremsen, schwappt die Milch im Tank, denn die meisten der Milchtanklaster sind nicht vollständig gefüllt.

Nachts schlafen auch die Kühe. Die meisten ohne Fenster, sie kennen die Städte nicht. Sie kennen den Milchtanklaster. Auf einen Milchtanklaster, der nachts durch die Stadt fährt, kommen vierhundersechsunddreißig Kühe. Die meisten schlafen. Auf eine schlafende Kuh kommen zwölf Menschen, aber einer ist aufgewacht, schlurft aufs Klo, sieht kurz aus dem Küchenfenster auf die Hauptverkehrsader hinaus und bezweifelt, dass hinter den vorbeifahrenden Scheinwerfern Menschen sitzen. Der Milchtanklaster fährt allein durch die Stadt, angetrieben nur von der Vergangenheit der schlafenden Kühe, die nicht wissen, dass es ein Morgen gibt. Auch die elf Menschen ahnen es nicht, der zwölfte legt sich wieder hin und weiß, dass es bis zur Amselzeit weder Menschen noch Kühe in der Welt gibt. Währenddessen fährt der Milchtanklaster durch eine halbdunkle Stadt und der Tank glänzt im Licht der Straßenlaternen.

Wenn die Sonne wieder aufgeht, hellen sich die Fenster von selber auf. Die Kühe sind der Stadt fern und hinter den Lenkrädern der Autos sitzen wieder Menschen. Auf vierzehn schlafende Menschen kommt nun ein Milchtanklaster, der sich zwischen all die anderen Personenkraftfahrzeuge und LKWs einreiht, in seinem Tank spiegelt sich die Stadt. Menschen gehen vorbei, Hunde werden ausgeführt und wenn man genau hinsähe, so könnte man sehen, wie sie sich im Tank spiegeln, meint man. Aber sie spiegeln sich darin nicht, denn der Milchtanklaster kommt aus der nächtlichen Stadt, in der es keine Menschen gibt und in der keine Kühe schlafen.

Auf einen durch die Stadt fahrenden Milchtanklaster kommen dreizehn schlafende Menschen und einen, der gerade aufgestanden ist und sich Milch in den Kaffee schenkt. Diese Milch wird in LKWs angeliefert, die voller Paletten mit eingeschweißten Milchpäckchen sind. Diese Milch kommt aus einer rechteckigen Welt, in der sich keine Straßenlaternen gespiegelt haben. Die Kühe sind wach und werden oft gemolken, ihre Milch wird in Milchtanklastern in die Abfüllungsbetriebe gefahren. Sie wissen nicht, dass diese Milchtanklaster durch die Stadt fahren, durch die Nacht und als Fahrzeuge, in deren silbernen Überzug sich keine Menschen je spiegeln können, auch durch den Tag. Die Menschen wissen nicht, dass die Milchtanklaster so oft durch die Nacht fahren, denn sie schlafen, und wenn sie es nicht tun, sehen sie kaum aus den Fenstern hinaus auf die Straßen. Niemand weiß, warum die Milchtanklaster überhaupt durch die Stadt fahren, denn die Milch der Stadt wird in Milchpackungen auf Paletten früh am Morgen angeliefert.