Wie man einen prähistorischen Vogel fängt

Vögel, die noch leben, findet man manchmal im Internet, aber selten findet man sie wieder, wenn sie nicht eine Wohngemeinschaft mit einem Menschen gebildet haben oder von jemandem mit einem Sender ausgestattet worden sind, dem man an die wunderlichsten Orte dieser Welt nachreisen kann.

Vögel, die gestorben sind, findet man auch nicht oft. Sie fliegen an geheime Plätze zum Sterben und die sind selten in unseren Händen. Manche Vögel werden, wenn sie tot sind, zu Tauschkarten, die in nach billigem Plastik riechenden Sammleralben durch Städte und Bahnhöfe getragen werden, manchmal hergezeigt, selten gegen ein lebendes Tier getauscht, wie es Jakob Niemeyer tat, als er den Berliner Archäopteryx gegen eine Kuh auswechselte, von der im weiteren Verlauf der Geschichte leider nichts bekannt wurde außer ihrem Geldwert.

Diese geheimen, toten Vögel werden oft nur durch Zufälle entdeckt, so gut verstecken sie sich. In Madagaskar mussten erst alle Pflanzen abbrennen, bis man darunter das Skelett eines großen Dinosauriers fand. Unter dem Skelett dieses großen Dinosauriers fand man das Skelett eines kleinen, nur, es war kein Dinosaurier, sondern ein kleiner, wirklich sehr schüchterner, prähistorischer Vogel, der sich um des Geheimnisses willen noch selbst im Sterben unter den großen sterbenden Dinosaurier drückte bis schließlich ihm alle Federn glattgestrichen und alles Leben ausgewalkt war.

So fanden ihn Menschen und nannten ihn Bedrohung aus den Wolken (Rahonavis), obgleich, wenn man zwischen dem Erdboden und einem riesigen Dinosaurierskelett eingeklemmt liegt, das eine recht zynische Bezeichnung zu sein scheint.

Vögel sind so viel klüger als Menschen, sie stecken sich nicht grundlos in Mauerritzen und unter große, sterbende Tiere. Sie wollen sich der Diskussion entziehen, die entsteht, wenn sie gefunden werden: ob nun ihre Flügel zu ihnen gehören oder doch zu dem flügellosen Vorona, der ein Stück weiter weg gefunden wurde; ob ihre Flügel denn nicht zu weit entwickelt waren für den Rest des Körpers und ob, wenn diese Frage geklärt war, ob sie nicht, wenn sie denn durch die Vergangenheit flogen, das dann nicht wie ein betrunkener Pelikan, wie eine Fledermaus oder wie das erst einen Tag in Betrieb genommene ferngesteuerte Motorsegelflugzeugsmodell der Nichte des Paläontologen taten.

Und wie es in Diskussionen so passiert, so schweigt viele Male jemand mit schamhaft verquollenem Mund, nachdem er ein Stück Holz zum Dinosaurier erklärt und ein Jahrzehnt lang mit dem Aachenosaurus in einem alten, ledernen Reisekoffer durch Mitteleuropa gezogen ist oder er schweigt, nachdem er sein Unterkiefer weit vorgeschoben hatte um anzudeuten, dass dieses Teil des Succinodon putzeri zwar um einiges größer aber auch genau hier unterhalb einer Öffnung eines Lebewesens lag, aus der heraus ein Stück fossiles Holz mit Muschelabdrücken hinaus zu einem Titanosaurus erklärt wird.

Warum der Rahonavis, dieser selten schüchterne Vogel aus einer Vergangenheit in Madagaskar, tatsächlich kein mit Worten zusammengedrechseltes Wesen, sondern seine eigene Art war? Der Forscher, der sich sicher ist, gibt zur Antwort: Weil man ihn doch auf einer Fläche gefunden hat, die „kleiner ist als ein Blatt Papier“.

Ich fand den Rahonavis, als ich den Pfau, der wörtlich als Lochspatz übersetzt werden kann, mit chinesischen Zeichen in das Eingabefeld der Suchmaschine eintippen wollte, ich erwischte nicht kong (Loch), sondern kong (Leere/Himmel) und mir wurde ein kongniao, ein leerer Vogel, vorgeschlagen. So habe ich mir diesen prähistorischen Vogel gefangen und alles, was sich auf diesem kleinen Blatt Papier, 11,5 pt, Times New Roman, finden lässt, gehört zu ihm. Auf Chinesisch heißt er Flankenleervogel und so heißt er, weil auf einem beschriebenen Blatt Papier die Seitenränder unbeschrieben sind, Korrekturränder für alle zukünftigen Forscher.

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Archaeopteryx

https://de.wikipedia.org/wiki/Rahonavis

https://de.wikipedia.org/wiki/Aachenosaurus

https://en.wikipedia.org/wiki/Succinodon

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